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Coolness-Training
Pädagogischer Tag zum Thema "Umgang mit aggressiven Schülern/innen" Leiter: Markus Brand - Anti-Aggressivitäts-Trainer (info@anti-gewalt.com) Ort: Bildungszentrum Finkenrech Zeit: August 2001 Methode: Coolness-Training Spiele Grundlagen Rainer Gall, Konfrontative Pädagogik Homepage: www.coolness-training.de Sozialpädagogik und schulpädagogische Erziehungskonzepte waren viele Jahre von Akzeptanz, Empathie, Emanzipation und Kompetenzförderung geprägt. Pädagogen entwickelten auf dem Hintergrund zahlreicher Verständnis- und Erklärungsmuster für Gewaltdelikte, eine verstehende und leider nur allzu oft entschuldigende Pädagogik, die den jungen Leuten jedwede Form der Regel- und Normenverletzung nachsah, wenn die individuelle Sozialisation nur schwierig genug war. Die Untaten wurden als logische Folge sozialer Ausgrenzung und Deprivation hingenommen. Die entschuldigende Pädagogik gipfelte in der Formulierung "Gewalt ist geil". (...) Die Gewaltverbrechen, mit denen die Polizei, die Gerichte, die Krankenhäuser und Sozialdienste beschäftigt sind, weisen diese Geilheit nicht aus. "Gewalt ist geil" verharmlost die Ereignisse und ist nichts anderes als die Anbiederung der verstehenden Pädagogen an die Täter. (...) In der Arbeit mit aggressiven und gewaltbereiten Kindern, wird die konfrontative Pädagogik und deren ritualisierte Grenzziehung immer häufiger zum Thema. Viele Pädagoginnen und Pädagogen verwerfen diesen Ansatz als repressiven Erziehungsstil, von dem man sich erst vor 15 - 20 Jahren mühsam verabschiedet hatte. Die Konzepte der Grenzziehung sind jedoch nicht für die lieben Nachbarskinder gedacht, sondern zielen auf die Jungen und Mädchen, die Unterdrückung praktizieren und Opfer und Abhängigkeiten produzieren. Pädagogische Freundlichkeit und Milde interpretieren diese Kinder als Schwäche (Jens Weidner 1999). Redl und Wineman sprachen von ‚Kindern die hassen' (1979). Es sind die Kinder und Jugendlichen, die außerhalb der Reichweite von Erziehung (Elternhaus, Schule, Erziehungsberatungsstellen) und unterhalb des Wirkungsbereiches psychotherapeutischer Verfahren sind. Wir Erwachsene haben es durch unterlassene Grenzziehung ermöglicht, dass sich Kinder und Jugendliche Rechte und Territorien angeeignet haben, die ihnen nicht zustehen. Beispiele hierfür sind das Kleinkind, das sich den Fernseher ohne Erlaubnis der Eltern einschaltet, die 10-jährigen Jungen, die ungeniert vor Erwachsenen auf der Straße rauchen, die Jugendlichen, die öffentlich vor Publikum einen Bauwagen beschädigen und im Omnibus einen "korrekten Abzug" (räuberische Erpressung) machen. Grenzziehung in der konfrontativen Pädagogik will Normverdeutlichung und zwar am besten in dem Augenblick, in dem das unerwünschte Verhalten gezeigt wird. Grenzen sind zu ziehen, wo Gefahren drohen, wo Menschen geschädigt werden und wo das öffentliche Leben, also auch im öffentlichen Raum, dies erfordert. (Weidner, 1999) Die Sichtweisen und die gängige Praxis verändern sich. Wir befinden uns im Prozess einer Paradigmenverschiebung. Jugendliche Straftaten zu verstehen heißt nicht mehr, diese durch Erklärungsmuster zu bagatellisieren, sie zu entschuldigen und somit indirekt Einverständnis zu signalisieren. Es wird die Notwendigkeit erkannt, Täter (Kleine wie Große) mit den Folgen ihres Handelns für die Opfer zu konfrontieren. Die Auseinandersetzung mit den Tatfolgen, ist in der konfrontierenden Arbeit ein bedeutsamer Schlüssel für den Zugang zu den Tätern, denn die Opferperspektive ist für die Täter das Tabu-Thema (vgl. (Weidner, 1993) Die konfrontierende Arbeit definiert einen zivilisatorischen Standard der Friedfertigkeit. "Niemand hat das Recht, den Anderen auszugrenzen, zu beleidigen oder zu verletzen. Geschieht dies dennoch, erfolgt Konfrontation." Im Coolness-Training entwickeln Kinder und Jugendliche deshalb eine Kultur des Hinschauens trainieren Kinder und Jugendliche die friedfertige Einmischung Es geht um die Verfestigung eines zivilisatorischen Standards der Friedfertigkeit die Stärkung der Kompetenz der peer-group für schwierige Situationen die Stärkung der Opfer die Sensibilisierung der Täter Mit welchen Themen setzen sich die Kinder und Jugendlichen im CT auseinander? Exploration als Täter, Opfer, Zuschauer - Visualisierung von Befindlichkeiten - Hierarchisierung von Empfindlichkeiten - Konfrontation bei Regel- und Normverletzungen - Körpersprache - Reduzierung der Feindseligkeitswahrnehmung - Deeskalation und Selbstbehauptung - Stärkung der peergroup (positive Beeinflussung durch die Gruppe der Gleichen Methoden des CT Kämpfen als pädagogische Disziplin - Interaktionspädagogische Übungen, - Spiel- und Theaterpädagogik - Boalsches Theater - Konfrontationsübungen - Methoden der Mediation - Traum- und Phantasiereisen - Entspannungsübungen - Erlebnispädagogische Begleitmaßnahme Spiele, die im Rahmen eines Coolness-Trainings genutzt werden können Die Spiele als Word-Datei zum Downloaden Wenn ich wütend bin (Portmann) Z: aggressive Gefühle wahrnehmen und ausdrücken auch als Kennenlernspiel Mitspieler sitzen im Stuhlkreis und sagen nacheinander, was sie tun, wenn sie wütend sind bzw. spielen es pantomimisch vor.Variante: wie "Koffer packen", Mitspieler reihen die Aussagen/Gesten der anderen aneinander Körpersprache (Krebel)Z: Gefühle wahrnehmen und ausdrückenMitspieler laufen durch den Raum. Auf Kommando bleiben alle in ihrer momentanen Haltung stehen. Dann wird überlegt, welchen Gefühlen die jeweiligen Haltungen entsprechen.Variante: Den Mitspielern wird aufgetragen sich entsprechend vorgegebener Gefühle zu bewegen. Imponiergehabe der Streithähne (Badegruber II.) Z: aggressive Gefühle wahrnehmen und ausdrücken Aggressionsabbau auch als Aufwärmspiel Eine Horde Urmenschen begegnet einander feindselig. Mitspieler haben keine gemeinsame Sprache. Sie versuchen, durch Geräusche, Gestik, Mimik die anderen zum Rückzug zu bewegen. Darzustellende Aussagen:- Komm mir ja nicht zu nahe - Ich bin der Stärkste - Ich kann unheimlich gefährlich sein - Ich finde dich armselig und lächerlich - Du läßt mich ganz kaltEvtl. Benutzung von einfachen Rythmusinstrumenten. Kriegstanz (Badegruber II.)Z: aggressive Gefühle wahrnehmen und ausdrücken Aggressionsabbau auch als AufwärmspielGruppe soll Kriegstanz aufführen. Sinnvoll: einfache Rythmusinstrumente. Evtl. mehrere Gruppen bilden zum raten.Themen:- Tanz zum Mitmachen vor dem Kampf - T. z. Feiern des Sieges - T. z. Demütigen von Gefangenen Sturm auf die Burg (Portmann) Z: Auslöser für Wut und Aggression erkennen / Aggressionsabbau / auch als Aufwärmspiel Mitspieler kaken sich gegenseitig unter und bilden einen eng geschlossenen Kreis. Ein anderer Mitspieler (oder mehrere) versucht in den Kreis zu gelangen.Variante: versuchen, aus dem Kreis heraus zu kommen Kegel umwerfen Z: Auslöser für Wut und Aggression erkennen / Aggressionsabbau / auch als Aufwärmspiel Mitspieler halten sich an den Händen und bilden einen Kreis. In der Mitte sind Kegel aufgestellt. Die Spieler versuchen, die anderen in die Kegel zu ziehen um sie umzuwerfen. Wer Kegel umwirft, muß den Kreis verlassen. Ausgeschlossen (Portmann) Z: Auslöser für Wut und Aggression erkennen / Gefühl des Ausgegrenzt-Seins kennenlernen Ein Mitspieler wird vor die Tür geschickt. Die anderen Mitspieler bekommen den Auftrag, sich freundlich zu begrüßen und miteinander zu unterhalten. Wenn der andere Mitspieler wieder hereinkommt, sollen die anderen ihn ignorieren bzw. nonverbal ausgrenzen Wichtig: nur selbstbewußte Kinder aussuchen Die Beschuldigung (Badegruber II.) Z: Auslöser für Wut und Aggression erkennen / Gefühl des Ausgegrenzt-Seins kennenlernen Ein Mitspieler wird vor die Tür geschickt. Die Gruppe erhält den Auftrag sich leise Beschuldigungen (Gerüchte) über den herausgeschickten Mitspieler zuzuzischen, sobald dieser hereinkommt. Dies soll sich zu regelrechten Beschimpfungen steigern.Wichtig: nur selbstbewußtes Kind rausschickenVariante: Nach und nach wechseln einzelne Mitspieler die Seite und unterstützen den Beschuldigten. Spießrutenlauf (Badegruber II.) Z: Auslöser für Wut und Aggression erkennen Die Mitspieler bilden ein Spalier, das trichterförmig zusammenläuft. Die im Spalier stehenden bedrohen diejenigen die hindurch laufen durch Gestik, Mimik und Zurufe Alle die ... kommen in die Mitte Z: Sich selbst und andere besser verstehen - Gemeinschaftsgefühl - auch als Kennenlernspiel Die Mitspieler sitzen im Stuhlkreis. Der Spielleiter fordert auf z. B. "Alle, die schon mal die Schule geschwänzt haben, kommen in die Mitte" Die Fragen können je nach Thematik gestellt werden. Sinnvoll ist es, mit "harmlosen" Fragen anzufangen. Ich zeige dir, wie ich mich fühle (Badegruber) Z: Sich selbst und andere besser verstehen - Gefühle wahrnehmen und ausdrücken Die Mitspieler bilden Paare. A zeigt B durch Körpersprache / Gebärden, wie er sich fühlt. B verbalisiert die Gefühle von A. Du wirst erfragt (Badegruber II.) Z: Sich selbst und andere besser verstehen - Feedback Für alle Mitspieler werden Karten mit dem jeweiligen Namen geschrieben. Die Mitspieler ziehen jeder eine Karte, behalten für sich, wessen Karte sie gezogen haben. Nun stellt die Gruppe einem Mitspieler Fragen zu der Person, dessen Karte er gezogen hat. Sinnvoll ist es, nach Charaktereigenschaften zu fragen. Der Befragte darf nur mit ja, nein, ich weiß nicht antworten. Die übrigen raten, wer gemeint ist. Ich spiegele dich (Badegruber I.) Z: Sich selbst und andere besser verstehen - Wahrnehmung - Paarübung. A spiegelt Bewegungen, Gestik, Mimik von B und umgekehrt. Variante: A bekommt den Auftrag, in Zeitlupe einen Gefühlswechsel (z.B. von traurig zu fröhlich) darzustellen, B spiegelt A. Dann stellt B den Gefühlswechel umgekehrt dar, A spiegelt B. Slow-Motion-Kampf Z: Wut und Aggression beherrschen und abbauen - auch als Aufwärmspiel Die Mitspieler teilen sich in Paare auf, die in Zeitlupe miteinander kämpfen. Die Kämpfer dürfen sich nicht berühren. Eventuell Fairnessregeln erarbeiten. Variante: Vorher Sieger und Verlierer festlegen. Trockenübung gegen Anmache (Portmann) Z: Wut und Aggression beherrschen und abbauen Es wird gemeinsam überlegt, wie angespannte Situationen durch schlagfertige, bzw. überraschende Antworten entschärft werden können. Z. B.:- "Du Rotznase!" "Stimmt, hast du mal ein Tempo für mich?"- "Schwächling!" "Ja leider, kannst du mir bitte gerade mal helfen!" Das Schlechte-Laune-Spiel (Portmann) Z: Wut und Aggressionen beherrschen und abbauen Jeder Mitspieler legt sich Schal oder Tuch über die Schulter. Alle bewegen sich im Raum und versuchen den anderen das Tuch von der Schulter zu ziehen und auf den Boden zu werfen. Das "Opfer" schimpft "So ein verdammter Mist, mein Tuch ist weg!", hebt das Tuch auf und wirft es unter ausgiebigem Schimpfen auf den "Dieb" auf den Boden, hebt es dann wieder auf und spielt weiter. Erreicht werden soll, daß die Kinder sich zunächst mit sich selbst beschäftigen, statt sofort auf andere loszugehen. Souvenirs, Souvenirs (Hoppe) Z: Wut und Aggression beherrschen und abbauen - Auch als Aufwärmspiel Jeder hängt sich ein Tuch oder Band als Schwanz in den Hosenbund. Jeder versucht, so viele Schwänze wie möglich zu ergattern. Variante: Jedes Kind wird von dem an die Hand genommen, daß ihm das Tuch geklaut hat. Heißer Stuhl (Portmann) Z: Ich-Stärke und Selbstwertgefühl aufbauen Ein (trostbedürftiges) Kind setzt sich in die Mitte des Stuhlkreises. Die anderen Mitspieler sagen dem Kind der Reihe nach, was sie an ihm besonders toll finden. Ich bin-ich kann-ich habe (Portmann) Z: Ich-Stärke und Selbstwertgefühl aufbauen Jedes Kind klebt sich einen Zettel mit den Satzanfängen Ich bin..., Ich kann..., Ich habe... auf den Rücken. Alle gehen im Raum umher und ergänzen die Sätze auf den Rücken der anderen mit positiven Bemerkungen. Das Kind im Brunnen (Portmann) Z: Ich-Stärke und Selbstwertgefühl aufbauen Ein Kind kauert sich auf dem Boden zusammen. Es ist im Brunnen gefangen. Dieses Kind wird nun gefragt, von wem es gerettet werden möchte. Das Kind nennt eine Eigenschaft (z.B. wer die tollsten Grimassen machen kann) und sucht dann den entsprechenden Retter aus. Der Retter übernimmt nun die Rolle des Kindes im Brunnen etc. Besser als Spießrutenlaufen (Portmann) Z: Ich-Stärke und Selbstwertgefühl aufbauen Die Mitspieler bilden ein Spalier, durch das jeder hindurchgeht. Die Kinder im Spalier sagen demjenigen, der hindurchgeht, was sie an ihm mögen und zeigen ihm durch Gestik und Mimik, daß sie ihn mögen. Schutzhütte (Portmann) Z: Nicht-aggressive Beziehungen aufnehmen Ein Kind baut sich aus 3 oder 4 Mitspielern eine Schutzhütte, in das es sich heinkuscheln und wohlfühlen kann. Maulwurfsgewimmel (Hoppe) Z: Nicht-aggressive Beziehungen aufnehmen - Wahrnehmung - Vertrauensübung Die Mitspieler teilen sich in Paare auf. Jeweils einem Partner werden die Augen verbunden. Der andere führt ihn durch den Raum, indem er ihn an der Hand nimmt, den Arm um ihn legt oder ihn lediglich durch leichtes Berühren mit einem Finger dirigiert. Auch Führen durch Zurufe ist möglich Fallübungen Z: Nicht-aggressive Beziehungen aufnehmen - Vertrauen 1. Die Mitspieler lassen sich nacheinander rückwärts von einem Tisch fallen (steif machen!). Die übrigen Mitspieler stehen hinter dem Tisch, halten sich paarweise an den Händen (Arme nicht verdrehen, Ellbogengelenke nicht steif machen!) und fangen ihn auf. 2. Die Mitspieler stehen in einem Kreis. Einer steht in der Mitte, schließt die Augen, macht sich steif und läßt sich rückwärts fallen. Die anderen fangen ihn auf, drehen ihn sachte weiter und lassen ihn so zum nächsten Fänger weiterfallen, daß er dort mit dem Rücken ankommt. 3. Wie bei 2., aber in Dreiergruppen. Streichelkarussel Z: Nicht-aggressive Beziehungen aufnehmen - Entspannung - Vertrauen Die Hälfte der Gruppe legt sich sternförmig auf den Bauch (Decken unterlegen). Die anderen geben ihnen sanfte Ballmassagen zu entspannender Musik. Die Massierenden verständigen sich durch Blickkontakt darüber, daß sie den Platz tauschen, so daß jeder jeden massiert. Dann werden die Gruppen ausgetauscht. Wenn zwei sich streiten (Portmann)Z: Konflikte friedlich lösen Die Mitspieler teilen sich in Dreiergruppen auf. A und B führen ein Streitgespräch, wobei B die Anweisung hat, A unbedingt zu widersprechen, egal ob es seiner tatsächlichen Meinung entspricht oder nicht. C bekommt die Anweisung, mit eigenen Argumenten den Streit zu schlichten, was nach der Vorgabe natürlich nicht gelingt. Nach etwa 5 Minuten Rollenwechsel, so daß jedes Kind jede Rolle spielt.Anschließend in der Großgruppe über Vorraussetzungen nachdenken, die gegeben sein müssen, damit ein Streit geschlichtet werden kann. Evtl. Streitregeln aufstellen. |
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