Projekt
Projektideen - Verbesserung der sozialen Schulqualität

Demokratisch handeln 1
Das Konzept
Es stützt sich im theoretischen Ansatz wesentlich auf den Soziologen Dewey:
"Die Demokratie ist mehr als eine Regierungsform. Sie ist in erster Linie eine Form des Zusammenlebens der gemeinsam und miteinander geteilten Erfahrung(en).
Das verlangt und setzt voraus, dass eine Demokratie allen Mitgliedern die Möglichkeit der Mitwirkung und der Mitbestimmung bietet. Dafür ist der einzelne (moralisch) dazu verpflichtet, je nach seinen individuellen Fähigkeiten Leistungen für die Demokratie zu erbringen. Um diese Ziele zu erreichen, ist Erziehung notwendig, ist Schule gefragt. Demokratie setzt nämlich Erziehung in besonderer Weise voraus, da sie auf die freiwillige Bereitschaft und Überzeugung ihrer Bürger angewiesen ist.
Demokratie lebt vom Handeln. Handeln muss aber immer reflektiert werden.
Der Zusammenhang von Demokratie, Handeln und Erziehung ist eine "generative Praxis". Die Erfahrungen und Lebensformen werden von einer Generation an die nächste weiter vermittelt werden. Erziehung ist dabei immer auch Lernen am Vorbild, was an die Lehrpersonen besondere Ansprüche stellt.
Weil Handeln als Voraussetzung oder auch Ziel des Erkennens betrachtet wird, ist es auch Grundlage für alle Formen des Lernens, insbesondere auch für schulisches Lernen. Dewey weist für die Pädagogik darauf hin, dass das Lernen an realen Handlungsabläufen und tatsächlichen Problemsituationen für die Entwicklung der Persönlichkeit der Lernenden wichtig ist. Ein Schüler kann Demokratie nur erlernen, wenn er selbst sein Handeln in demokratischen Prozessen erleben kann. Insoweit ist es entscheidend, dass ihm kein Projekt von außen aufgedrückt wird, sondern er selbst muss Stellung und ein eigenes Engagement beziehen können.
Umgesetzt werden können die Ideen Deweys ist der sog. Projektarbeit. Ein Projekt im Sinne von Dewey ist also das planvolle Handeln, getragen von persönlichem Antrieb und eingebunden in ein soziales Milieu. Erziehungsziel ist dabei die Mündigkeit des Lernenden in demokratischen Strukturen und die Entwicklung seiner Persönlichkeit.
Für die Schule bedeutet dies, Erfahrungsraum und Schonraum zugleich zu sein. Schule hat die Aufgabe, die Komplexität der Moderne zu reduzieren und eine verständlichere Umwelt zu entwerfen. Schule hat die Aufgabe und Chance, Nachteile der sozialen Umgebung auszubalancieren und Gerechtigkeit erfahrbar zu machen.
Dabei muss sie jedem die Möglichkeit geben sich ganz nach seinen individuellen Fähigkeiten (motorischer, intellektueller, sprachlicher Art) in den Handlungsprozess einzubringen. Für die Lehrenden keine einfache Aufgabe.

Demokratisch handeln 2
Die Stärken des Konzepts
Das Konzept ermöglicht es uns, in der Schule demokratisches Lernen auf einem Niveau anzusiedeln, das den Schülern angepasst ist. Wir können ganz "klein" beginnen.
Wenn man darüber nachdenkt, eröffnen sich einem viele Ansatzpunkte. Die Schüler entscheiden beispielsweise über:
· Art und Weise der Begrüßung jeden Morgen
· die Sitzordnung in der Klasse
· verschiedene Klassenämter
· die Gestaltung des Klassenraumes
· Ziele von Wandertagen
· Termine von Klassenarbeiten
· u.v.a.m.
Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass es sachliche und fachliche Vorgaben gibt, die nicht zur Diskussion stehen. Die Lehrpersonen haben aber oft die Möglichkeit eine Entscheidungsauswahl anzubieten. Das reicht gerade in den unteren Klassen schon aus, damit die Kinder sich ernst genommen fühlen und tatsächlich etwas mitentscheiden können. Sie erkennen auch, dass ihre Beiträge zur Diskussion, ihre Meinung ernst genommen wird und auch Folgen hat. Nur so ist die Basis zu schaffen für spätere "größere", weitreichendere Entscheidungen.

Schwächen des Konzepts
Demokratisch handeln bedeutet für den Schulalltag:
· Mitüberlegen
· Mitdiskutieren
· Mitentscheiden
· Mittragen der Entscheidungen
· dem beschlossenen Rahmen unterordnen
Wie viel an Vorerfahrungen mit dieser demokratischen "Kultur" bringen die Kinder aus der Grundschule und dem Elternhaus mit? Diese "sozialen" Umgangsformen dürften auf sehr unterschiedlichem Niveau angesiedelt sein.
Für die alltägliche Praxis bedeutet dies, dass sehr viel Zeit darauf verwendet werden muss,
· das freie Sprechen in der Gruppe zu lernen
· das Zuhören zu lernen
· das Diskutieren zu lernen
· das Abwägen zu lernen
Diese Zeit fehlt für die Vermittlung des Stoffs im jeweiligen Fach. Somit hat der jeweilige Fachlehrer bzw. der Klassenlehrer ein Problem.
Ein weiteres Problem hat der sich engagierende Klassenlehrer, wenn nicht alle Kollegen und Kolleginnen in der Klasse (in der Schule insgesamt) mitziehen, vielleicht sogar bestimmte Entwicklungen blockieren.

Demokratisch handeln 3
Projektideen unter der Lupe

Deweys Demokratiemodell im Hinterkopf und unsere konkrete Schulsituation vor Augen haben wir drei Projekte entwickelt, die besonders die Umfrageergebnisse an unserer Schule berücksichtigen. Im folgenden beschreiben wir die Projekte kurz und überprüfen anschließend zwei davon anhand der Leitfragen, die auch das Förderprogramm "Demokratisch handeln" bei der Beurteilung der Projektdokumentationen stellt.

Projekt 1: Ein Name für die ERS Lebach
Anlass:
Unsere Schule hat immer noch keinen Namen. Ein Name kann verschiedene Funktionen erfüllen. Er macht die Schule unverwechselbar, einmalig und für die Öffentlichkeit leichter erkennbar. Für die dort arbeitenden Menschen kann ein Name den Zusammenhalt und die Verbundenheit mit der Schule stärken. Und drittens soll der Name auch Programm sein. Eine Persönlichkeit hat Vorbildcharakter. Durch einen regionalen Bezug und besondere kulturelle, sportliche oder politische Leistungen bietet sich die Möglichkeit, an ihr auch Inhalte im Unterricht zu entwickeln.
Erkundung:
* WER kann heute Vorbild und Namensgeber sein? Thematisierung im Unterricht in allen Klassenstufen * nach besonderen Persönlichkeiten (verstorbenen, lebenden) im Raum Lebach suchen
Durchführung:
* Vorschläge und Ideen zum Schulnamen sammeln von: Schülern / Eltern / Lehrern / Politikern / Geschäftsleuten * als Wettbewerb gestalten
* durch Anschreiben/Brief/Plakat/Internet
* Auswertung der Ergebnisse
* Entscheidungsgremium bilden: z.B. ein "Namens-Thing" (Schüler, Eltern, Lehrer) oder Schulkonferenz einbeziehen
* Entscheidung bekannt geben und begründen - Vollversammlung
* Gestaltung des Namenszuges: Schilder, Banner, Briefkopf, Logo, Maskottchen...
Abschluss:
* Feierliche Übernahme des Namens: Öffentlichkeit einladen
* Bericht in den Medien


Projekt 2: Schuluniform an der ERS Lebach?
Anlass:
Es ist zwar an der ERS Lebach kein riesengroßes Problem: Mobbing von Schülern wegen ihrer Noname-Klamotten, doch das Thema Markenkleidung, übermäßiger Konsum bei Jugendlichen ist ein gesellschaftliches Problem. Eine sog. Schuluniform bzw. die Diskussion darüber kann innerhalb der Schule helfen, ein Problembewusstsein zu schaffen. Ein Schülergruppe möchte das Thema "Schuluniform" im Rahmen von "Zeitung in der Schule" auf jeden Fall behandeln und ist schon in der Vorbereitung.
Erkundung:
* Internetrecherche: Welche Schulen machen es?
* Besuch einer solchen Schule mit Erfahrungsaustausch
* Entwürfe von Schuluniformen
* Kostenzusammenstellung

Durchführung:
* Vorstellen des Themas bei Schülern, Eltern, Lehrern
* Befragung zum Thema
* Auswertung der Befragungsergebnisse, Veröffentlichung
* demokratischer Entscheidungsprozess
Abschluss:
* je nach Entscheidung pro/contra: Realisation
* Dokumentation des Projektes

Projekt 3: Fun-Bike-Park für Lebach
- eine Marktanalyse (nur ein Beispiel!)
Erkundung:
* Radsportmöglichkeiten Lebach
* Tourismusangebote Lebach
* Fun-Bike-Parks in Deutschland (Recherche vor Ort, per Internet)
Durchführung:
* Idee vorstellen (Brief) bei
Stadtverwaltung, Jugendamt / Parteien / Gewerbeverband (Sponsoren) / Forstverwaltung / Jagdverbände / Öffentlichkeit
* Ortsbegehungen bzw. - befahrungen
* Entwürfe eines Bike-Parks auf dem Papier
* Interviews, Gespräche mit Interessierten, Sponsoren
Abschluss:
* Vorstellen der Vorschläge in der Schule, Öffentlichkeit (Rathaus)
* kleines Mountainbike-/Trial-Happening (Rathaus)

Leitfragen an die Projekte
Projekt 1: Ein Name für die ERS Lebach

Die Schülerbeteiligung? Die am weitesten gesteckte Zielsetzung ist die Verbesserung der Schulattraktivität und damit auch der Schulverbundenheit. Auf dieses Defizit unserer Schule haben uns durch die Umfrage die SchülerInnen aufmerksam gemacht. Insofern haben sie das Ziel des Projektes gesetzt. Realisierbar scheint uns das Projekt im Rahmen von Projekttagen. An der Planung können alle Klassen der Schule, besonders die Klassensprecher durch die SV, beteiligt werden. Schon im Vorfeld sollten sowohl Inhalte als auch Methoden der Namensfindung diskutiert und erarbeitet werden: Welche Art von Namen wollen wir? Mit Vorbildcharakter? Einen eher allgemein gehaltenen Namen...? Welche Art von Vorbild soll es sein? Wie können die Vorbilder entdeckt, gesucht werden? Da das Projekt in Form von Projekttagen durchgeführt wird, sind restlos alle SchülerInnen an der Ausführung und Durchführung beteiligt.

Relevante politische Thematik? An sich schon der Wunsch nach einem sinngebenden Namen für die Schule und die Diskussion um und die Suche nach einem Vorbild für eine Schule wird von als politischer Vorgang gesehen. Wertediskussionen sind als politischer Prozess zu betrachten.

Politische Mitwirkung?
Die SchülerInnen sind von Anfang an der Entwicklung und Durchführung des Projektes beteiligt, besonders aber bei der Entscheidung über einen Namen, den die Schule dann für die Ewigkeit tragen soll. Das Spektrum der Mitwirkung wird vom Vorschlagen eines Namens über die Recherche und Begründung des Vorschlags bis hin zur abschließenden Entscheidung reichen. Verschiedene Ebenen der demokratischen Beteiligung sind denkbar:
· einzelne SchülerInnen (natürlich auch Eltern, LehrerInnen, Externe) können Vorschlage machen
· einzelne Klassen können einen gemeinsamen Vorschlag erarbeiten und einreichen
· die SV ist an der Entscheidungsfindung beteiligt
· ein spezielles Gremium kann gegründet werden mit Schüler-, Lehrer-, Elternvertretern, Förderverein ("Namens-Thing")
· die Schulkonferenz als letzte Instanz?

Konkrete Auswirkungen auf das Schulleben?
Wir hoffen sehr, dass dieses Projekt die Schulverbundenheit aller Beteiligten stärkt.

Lokaler und gesellschaftlicher Realitätsbezug?
Schon im Vorfeld soll die Öffentlichkeit über das Projekt informiert werden: durch einen Artikel in der Saarbrücker Zeitung anlässlich des Projektes "Zeitung macht Schule". Eine Arbeitsgruppe der Klasse 10 f wird diesen Artikel schreiben. Auf unserer Internetseite finden sich jetzt schon Hinweise auf das Projekt und werden dort ständig aktualisiert werden.
Dadurch, dass die Erkundung die SchülerInnen mit der Öffentlichkeit in Kontakt bringt, wird das gesellschaftliche Umfeld auf unsere Aktivitäten aufmerksam. Es ist auch daran gedacht, politisch relevante Gruppen und Personen gesondert in einem Brief anzusprechen: Bürgermeister, Stadtratsmitglieder, Parteien, Vertreter der Stadtverwaltung, Gewerbeverband der Stadt... Von ihnen erwarten wir Vorschläge und Unterstützung.

Formen demokratischen Umgangs?
Beteiligt sind alle Gruppen: SchülerInnen, Lehrerkollegium, Schulleitung, Eltern, Förderverein und die Öffentlichkeit. Wer letztendlich die Entscheidung über den Namen treffen wird, soll an dieser Stelle noch offen bleiben. Jedenfalls muss es ein Gremium sein, in dem alle diese Gruppen vertreten sind. Die Schulkonferenz erfüllt laut SchumGesetz diese Voraussetzungen. Leitfragen an die Projekte
Projekt 2: Schuluniform für die ERS Lebach?
Zielsetzung: Umfrage, welche Form, Farbe, welches Logo, organisiert über einen Wettbewerb.
Planung: im Vorfeld Ausschreibung in Schülerzeitung, SV-Sitzung, Verbreitung des Gedankens im Kollegium, Aufruf an Eltern, Förderverein (Kostenübernahme?), Variation der Farben je nach Klassenstufe
Durchführung: Sammlung aller Vorschläge in einem Gremium, Sichtung und Prüfung, Zuschlag durch eine Kommission, Sponsoren-Frage klären, Belohnung durch Preisvergabe.
Beteiligung aller Schüler, Erkundigungen bei anderen Schulen, angebrachte Skepsis, historische Dimension, Hinterfragung der Notwendigkeit, demokratische Spielregeln müssen bei allen Befragungen und Besetzungen der Gremien eingehalten werden.
Schulalltag verwoben: Aufmerksamkeit erregen durch Plakataktionen, in Geschichte Beleuchtung der historischen Bedeutung, soziale Komponente in Sozialkunde: Die sich ergebenden Konflikte werden auf demokratischem Wege gelöst. Das Unternehmen öffentlich machen bei der Stadt, der Zeitung, Kaufmannschaft: Aufnahme der Regelung in die Hausordnung, unterstützende Maßnahmen durch den Förderverein bei Bedürftigen.
Uniformen in Lebach: Standort der Bundeswehr, Rotes Kreuz trägt sie, Straßenkehrer, Polizisten:.
Bes. Formen demokr. Umgangs: im Mittelpunkt stehen die Schüler: Sie befragen die Öffentlichkeit, sie machen sich Gedanken über Uniform für Lehrer, sie kümmern sich um die organisatorischen Fragen, betreffend Verwaltung und /oder ausführende Firmen, Befragung der Eltern über entstehende Kosten.

Realisation: Projekttage "Wir machen unsere Schule bunter"
Beide Projekte sollen in Projekttagen zusammenfließen und am Schluss ein Ganzes werden. Eine Terminierung im Groben liegt auch schon vor.
Zum Teil hat die Umsetzung der beschriebenen Ideen schon begonnen. Eine Klasse 10 beschäftigt sich im Rahmen von "Zeitung macht Schule" mit dem Thema Schuluniform. Es gibt schon Entwürfe für die modischen Klamotten und eine Umfrage in allen Klassen wurde auch schon gestartet.
Ein nächster Handlungsschritt wird sein, die betroffenen Gruppen zu informieren und schon zum Mitmachen einzuladen: SchülerInnen, Lehrerkollegium, Eltern.
Das Motto bzw. der Arbeitstitel für diese Projekttage heißt: Wir machen unsere Schule "bunter", wobei "bunter" nicht nur wortwörtlich zu verstehen ist.
Alle beteiligten Gruppen können Ideen und Vorschläge zu den Projekttagen einreichen, die von uns gesichtet und gebündelt werden.
(Uta Müller-Taglieber, Norbert Martini)
* * * * * * * * Erweiterte Realschule Lebach * Mottenerstr.52 * 66822 Lebach * Tel. 06881/3065 * http://www.erslebach.de * * * * *